Lichtblick 

Geschichten für Fotofans.

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Die starken Gefühle

Als ich Lang Lang am 9.8.2005 das erste mal traf war es eine Offenbarung. Ein Künstler, der rückhaltlos Gefühle zeigte. Das Publikum sollte ihn bald in aller Welt dafür lieben. Musik und äußere Form bildeten eine Einheit, wie ich sie selten bei Auftritten erlebte. Wie es meine Art war, hatte ich mich in etwa 15 Metern Entfernung in einen Winkel des Konzertsaals gekauert, meine Kamera mit Schallschutz versehen und wie ein Jäger auf das Erscheinen eines scheuen Rehs gewartet. Dabei ging es weniger um die Empfindlichkeit des Künstlers selbst als um das Publikum, das mich in keiner Weise bemerken durfte. Ich galt beim Veranstalter als unsichtbar und musste meinem Ruf immer wieder neu gerecht werden. In der Regel bedeutete dies dreißig bis sechzig Minuten lang möglichst regungslos aktiv zu sein. Auge, Ohr und Verstand sind in solchen Situationen äußerst angespannt und lauerten auf die richtigen Momente. Alles stimmte an diesem Abend. Meine Berechnung, durch den aufgeklappten Flügel ein gutes Blickfeld zu haben, hatte sich bestätigt. Die Reflexe des Klavierdeckels wirkten wie Klangtropfen und vollendeten diesen Moment zu einem unvergesslichen Bild.



Lang Lang 2005, Kieler Schloss



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